Neu zugewanderte Schülerinnen & Schüler

Integration GANZ konkret

Sehr verehrte Leserinnen und Leser unserer schulischen Homepage,
herzlich lade ich Sie und euch ein, diesen sehr informativen und positiv stimmenden Artikel unseres Koordinators unserer „Internationalen Klasse“ unbedingt bis zum Ende zu lesen, denn er berichtet GANZ konkret, wie Integration an unserem Ganztagsgymnasium funktioniert!
Sigrid Kliem (Schulleiterin)


Seit Oktober 2016 nehmen wir eine größere Zahl von Flüchtlingen und Migranten an unserer Schule auf.

Die wohl wichtigste Voraussetzung für die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in unsere Gesellschaft ist der möglichst schnelle Erwerb der deutschen Sprache. Die Schülerinnen und Schüler erhalten deshalb in zehn Schulstunden pro Woche einen ihrem Leistungsstand und -vermögen individuell angepassten Deutschunterricht (DaZ). Der sehr unterschiedlich ausgeprägten Sprachkompetenz und Lernprogression der einzelnen Schülerinnen und Schüler innerhalb der Gruppe wird insofern Rechnung getragen, als dass in jeder dieser zehn Stunden die zuständige Lehrkraft von mindestens zwei in der Vermittlung der deutschen Sprache erfahrenen Erwachsenen unterstützt wird. Die baulichen Gegebenheiten unserer Schule (Differenzierungsräume, Lernzentrum) erlauben uns auch, Kleingruppen zu bilden und diese in separaten Räumen und unter lernförderlichen Bedingungen zu unterrichten.

Außerhalb der zehn DaZ-Stunden nehmen die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen am Fachunterricht einer Klasse teil, der sie ihrem Alter entsprechend zugewiesen wurden. Da es ihnen in der Regel anfangs nicht möglich ist, dem Fachunterricht ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zu folgen, werden ihnen am Ende des täglichen DaZ-Unterrichts Aufgaben gestellt, die sie im weiteren Verlauf des Vormittags und bis zur nächsten DaZ-Stunde zu erledigen haben.

Neben der Vermittlung von sprachlichen Kompetenzen ist es uns ein besonderes Anliegen, den Schülerinnen und Schülern die Eingewöhnung und Integration in die Schulgemeinschaft zu erleichtern. So wird ihnen im Anschluss an das Aufnahmegespräch im Rahmen eines Schulrundgangs ihre neue Schule vorgestellt. Zur besseren Orientierung im Gebäude wurden zudem an wichtigen Funktionsräumen Piktogramme angebracht. Außerdem soll unser »Patenkonzept« die Eingewöhnung und den Aufbau sozialer Kontakte beschleunigen. So werden den zugewanderten Kindern und Jugendlichen in ihren Klassen jeweils zwei Patinnen/Paten zur Seite gestellt, die sie an den ersten zehn Schultagen zum DaZ-Unterricht begleiten und von dort auch wieder abholen.

Darüber hinaus zeigen sie ihnen den Weg zu den Fachräumen und beziehen sie - unterstützt von anderen Schülerinnen und Schülern der Klasse - in Pausenspiele oder andere Klassenaktivitäten mit ein. Es ist uns bisher auch gelungen, für jeden Flüchtling / Migranten eine Schülerin oder einen Schüler unserer Schule zu gewinnen, die/der bereit war, die Aufgabe eines Dolmetschers zu übernehmen. Die große Hilfsbereitschaft und das besondere Verantwortungsgefühl dieser Helferinnen und Helfer zeigen, dass viele unserer Schülerinnen und Schüler den Leitgedanken, unsere Schule gemeinsam als lebendigen und weltoffenen Lern- und Erfahrungsraum zu gestalten, verinnerlicht haben.

Als Ganztagsschule integriert das St.-Georg-Gymnasium seine neuen Schülerinnen und Schüler natürlich auch über die Teilnahme an AGs in die Schulgemeinschaft. Diese Angebote am Nachmittag werden von vielen unserer zugewanderten Kinder und Jugendlichen gern wahrgenommen. Besonders die Gitarren-AG erfreut sich großer Beliebtheit und durch die Kooperation mit der städtischen Musikschule Bocholt können wir jeder Schülerin / jedem Schüler eine Gitarre leihweise zur Verfügung stellen.

Neben der schulischen Integration ist uns auch die Erschließung beruflicher Perspektiven für unsere Schüler/innen ein außerordentlich wichtiges Anliegen, da eine den eigenen Fähigkeiten und Interessen gerecht werdende Ausbildung sowie die darauf aufbauende spätere Berufstätigkeit aus unserer Sicht entscheidende Bedingungen für eine nachhaltige Integration in unsere Gesellschaft darstellen. Deshalb ist es unser Ziel, dass die Flüchtlinge und Migranten, die unsere Schule nach der neunten Klasse verlassen, mindestens ein ihren beruflichen Vorstellungen und Wünschen entsprechendes Praktikum absolviert haben. Für die Realsierung dieses Anliegens danken wir unserem Kooperationspartner Siemens/Flender.

Auch auf die Kooperation mit den Eltern legen wir im Rahmen des Integrationsprozesses großen Wert. An dem bereits erwähnten Aufnahmegespräch nehmen neben den Schülerinnen und Schülern auch ihre Eltern teil, sodass auch sie nicht nur die räumliche und technische Ausstattung der Schule, sondern auch ihre zahlreichen unterrichtlichen (z.B. Fachräume, Lernzentrum) und außerunterrichtlichen Angebote (Aufenthaltsräume, Mensa, Schulküche, Sporthalle, AGs) kennen lernen können. In der ersten Schulwoche kaufen die Eltern in Anwesenheit ihrer Kinder und des/der mit der Organisation der Flüchtlingsintegration beauftragten Kollegen/in in der Stadt sämtliche von den Schülerinnen und Schülern benötigten Schulutensilien ein. Damit die Eltern bzw. amtlich berufenen Betreuer unserer neuen Schülerinnen und Schüler über den Leistungsstand ihrer/der Kinder in für sie nachvollziehbarer und damit auch für uns zielführender Weise informiert sind, bieten wir eigens für sie am Tag der Zeugnisübergabe Sprechstunden an.

Die Zusammenarbeit und das Zusammenleben mit unseren neuen Schülerinnen und Schülern stellt sicher eine viele Ressourcen beanspruchende organisatorische und pädagogische Herausforderung dar, vor allem aber bietet es - und das erleben Lehrkräfte genauso wie Mitschülerinnen und Mitschüler jeden Tag - die große Chance, interkulturelles Miteinander als wertvoll und gewinnbringend zu erfahren, denn es trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten im Fühlen, Denken und Handeln zu entdecken. Gerade in Zeiten, in denen von verschiedenen Seiten eine Renationalisierung und Abschottung gegen alles Fremde gefordert wird, sind wir dankbar, bei eigenen Erfahrungen mit dem Anderen in ihm nichts Bedrohliches, sondern den Mitmenschen zu erkennen und so vielleicht wirklich etwas für das ganze Leben zu lernen!

Text: T. Lampe
Foto: O. Marke
(Foto von links nach rechts: David, Omar aus Syrien, Tharun und Luka-Viktor, Klasse 6)

eingetragen von: O. Marke

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