JuniorAkademie Königswinter

ein Erfahrungsbericht von Nele Smidt

JuniorAkademie – das klingt schon mal interessant. Aber um was handelt es sich dabei? Wer nimmt teil, was tut man da eigentlich, und was lernt man dort? Unsere Schülerin Nele Smidt berichtet von ihren spannenden Erfahrungen.

„Die JuniorAkademie ist das, was man daraus macht.“ – so sagte es jedenfalls der Landesbeauftragte für die JuniorAkademien des Landes NRW Michael Funke. Und meiner Meinung nach hat er mit dieser Aussage völlig Recht. Ihr könnt euch das Ganze als zehntägige Jugendfreizeit vorstellen, bei der man nebenbei auch noch sehr viel lernen kann. Bei den Kursen handelt es sich allerdings nicht um Unterricht, wie man ihn nur allzu gut aus der Schule kennt, denn wir behandelten insbesondere Themen, die nicht unbedingt im normalen Lehrplan der Schulen in NRW vorhanden sind. Außerdem lief der Kurs in kleinerem Rahmen von circa 20 Teilnehmern ab, wodurch eine völlig entspannte und vertraute Atmosphäre entstand. Das Programm und die „Ferienfreizeit“ als Ganzes waren natürlich freiwillig und werden jährlich vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW für besonders motivierte und leistungsbereite Schüler (so steht es auf der offiziellen Website der JuniorAkademie) angeboten. Die Akademie findet jedes Jahr im CJD Christophorusschule in Königswinter statt. Das ist ein Internat, welches gemütliche Zimmer, eine Sporthalle, geeignete Kursräume und vieles mehr bietet.

Ich möchte hier besonders betonen, dass sich ausnahmslos niemand, den ich während meines Auf-enthaltes in Königswinter kennengelernt habe, als hochbegabt, besonders oder besser bezeichnet hat, obwohl man dort wirklich sehr kluge Köpfe und besondere Menschen kennenlernen konnte. Meine 15-jährige Zimmergenossin beispielsweise studiert bereits Jura. Das war aber auch wirklich ein Ausnahmefall, denn viele Teilnehmer waren wie du und ich.

Damit ihr euch etwas Genaueres unter der Akademie vorstellen könnt und vor allem keinen falschen Eindruck bekommt, möchte ich euch einen kleinen Einblick in den normalen Tagesablauf geben:

Für die Frühaufsteher unter uns, zu denen ich nur in den ersten Tagen gehörte, gab es morgens Frühsport. Das war häufig Zirkeltraining, Yoga oder auch Joggen am Rhein. Alle anderen durften noch etwas länger schlafen und um acht Uhr (spätestens!) in der kleinen Mensa frühstücken gehen. Dann gab es morgens um halb neun eine kurze Ansage der Akademieleiterin Leonie Ott und um neun Uhr begann die erste Kursschiene. Auf die Kurse möchte ich später noch einmal etwas genauer eingehen. Mehr oder weniger pünktlich um halb eins gab es Mittagessen, was auch oft genießbar bis lecker war. Nach dem Mittagessen inklusive kurzer Pause ging es weiter im Programm mit anderthalb Stunden Chor. Dieser war in den ersten Tagen verpflichtend und überraschenderweise wurde das Angebot auch von Vielen weiterhin mit Freude angenommen. Wir sangen Lieder, wie Seven Years von Lukas Graham, Vois sur ton chemin (aus „Die Kinder des Monsieur Matthieu“) und Demons von Imagine Dragons. Die zweite Kursschiene begann täglich um vier Uhr nachmittags. Als es dann um sechs Uhr zum Abendessen ging, waren wir schon ziemlich angestrengt, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt. Doch der Tag war noch lange nicht vorbei. Jedenfalls nicht für diejenigen, die noch das Abendprogramm nutzen wollten. Die sogenannten KüAs (Kursübergreifenden Angebote) dauerten oftmals bis halb elf Uhr abends. Es gab u.a. Sportangebote, Indonesisch, Orchester, Filmabende, Pizza backen und vieles mehr. Offiziell war um elf Uhr Nachtruhe. Ich sage bewusst „offiziell“, da sich, um ehrlich zu sein, nicht jeder daran gehalten hat. Aber das spielt ja auch keine Rolle.

Das Ganze mag vielleicht etwas monoton wirken, aber ich bin noch gar nicht zum Hauptbestandteil der Akademie gekommen: den Kursen. Da es in ganz NRW noch zwei weitere, parallel stattfindende JuniorAkademien gibt, konnte man zwischen ca. acht verschiedenen Kursangeboten wählen, wovon drei in Königswinter stattfinden. Das sind Forensik, Molekulare Biomedizin und Psychologie, welche je von zwei Studenten geleitet werden. Ich hatte letzteren Kurs belegt (auf dem beigefügten Foto könnt ihr den gesamten Psychologiekurs sehen). Psychologie war, obwohl sehr umfangreich, sehr spannend. Wir haben uns mit verschiedenen Formen der Psychologie und vor allem auch mit psychischen Störungsbildern beschäftigt. Die Forensiker haben insgesamt besonders praktisch gearbeitet und sich mit Fingerabdrücken und der DNS befasst. Außerdem haben sie Verwesungsprozesse von Ratten analysiert und schließlich (frische!) Ratten seziert. Die Molekularen Biomediziner (oder kurz MoBis) haben sich, wie die Forensiker auch, mit der DNS beschäftigt und diese in einem einfachen Versuch isoliert. Das könnt ihr euch so vorstellen, dass ihr am Ende einen Behälter in der Hand haltet, in welchem eure DNS in Form eines milchig weißen Fadenknäuels auf der Oberfläche einer Lösung schwimmt. Das klingt jetzt vielleicht auf den ersten Blick nicht so spannend, aber wenn man sich vorstellt, dass dein gesamtes Erbgut und somit alle Informationen über deinen Körper auf so einem hauchdünnen Faden festgehalten ist, finde ich das persönlich faszinierend. Mikroskopieren durfte bei den MoBis natürlich auch nicht fehlen.

Die Akademie wurde auch durch einige Ausflüge etwas abwechslungsreicher gestaltet. Wir sind zum Beispiel auf den nahegelegenen Drachenfels gewandert.
Was ich besonders erwähnenswert finde, ist, dass wir Besuch vom sehr bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke bekommen haben. Dieser hat uns in einem spannenden Vortrag Einblick in seinen Beruf gewährt.
Alles in allem war die JuniorAkademie eine unbeschreiblich tolle Erfahrung, aus welcher ich vieles mitnehmen kann. Dazu gehört allerdings nicht nur das gewonnene Wissen, sondern auch die innigen und einzigartigen Freundschaften, die ich dort geschlossen habe. Ich hoffe ich konnte euch ansatzweise zeigen, dass die JuniorAkademie viel spannender ist als es sich die meisten von euch vielleicht vorstellen. An dieser Stelle möchte ich Herrn Peters und Herrn Dr. von Wensierski danken, ohne die ich nicht nominiert worden wäre.

Text und Foto: Nele Smidt
Einleitung: O. Marke

eingetragen von: O. Marke

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