Schülergruppe bereitet sich auf Studienfahrt nach Auschwitz vor

In den Osterferien 2019 wird eine Gruppe von Schülern des St. Georg-Gymnasiums das Konzentrationslager Auschwitz besichtigen. Als Vorbereitung auf diese Fahrt nehmen sie an verschiedenen Projekten teil, die die Organisatoren dieser Reise, Frau Wobben, Herr Melis, Herr Reimann und Herr Dr. Bachmann, koordinieren. Die Schülerinnen und Schüler haben sich auch in Bocholt auf den Weg gemacht.

Der ehemalige Lehrer Hermann Oechtering, der seit Jahren im Arbeitskreis Synagogenlandschaften aktiv ist, zeigte den Schülern einige der in Bocholt verlegten „Stolpersteine“ Gedenksteine in Erinnerung an die aus Bocholt deportierten Juden. Das seit vielen Jahren durchgeführte Kunst- und Erinnerungsprojekt von Günther Demnig wurde in Bocholt auch durch zahlreiche Patenschaften realisiert, die Mitglieder unserer Schulgemeinde übernommen haben.

Im Rahmen des Rundganges durch die Stadt berichtete Oechtering der Gruppe von der Zerstörung der Synagoge nahe des Busbahnhofs. Er zitierte Karl Terhart (1923-1996), der sich an die Nacht des Novemberpogroms am 9.11.1938 erinnert:

„Die Eingangstür aus den Angeln. In der Synagoge war alles total zerstört, man hatte regelrecht herumgewütet. Hier herrschte ein Durcheinander. Die Bänke lagen durcheinander und waren kaputtgeschlagen. Es war nichts mehr an der Stelle, wo es hingehörte. Der Thoraschrein war ganz durcheinander, alles war heruntergeschlagen. Der Boden war feucht, es roch nach Petroleum."

Am 13.10.2018 bildete eine Fahrt nach Münster einen weiteren Programmpunkt. Für einige Schülerinnen und Schüler begann die Fahrt bereits um 6:00 Uhr morgens. Nur so konnten sie am Stutthof-Prozess teilnehmen. In diesem Prozess steht ein 94-jähriger vor Gericht. Dieser Mann war früher Mitglieder der SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Stutthof und muss sich wegen Beihilfe zum Mord in hunderten Fällen verantworten. Stutthof liegt in der Nähe von Danzig und war zunächst ein Zivilgefangenenlager. Es bestand vom 2. September 1939 bis zum 9. Mai 1945.

Am Tag des Besuchs, am zweiten Tag des Prozesses, las der Anwalt des Angeklagten die Erinnerung des 94-Jährigen vor. Der Angeklagte beschreibt darin seine Zeit in Stutthof. Eigentlich sollte der damalige SS-Mann an die Front. Aufgrund seiner Untauglichkeit sei er allerdings im KZ eingesetzt worden. Dort habe er als Wachmann und Koch gearbeitet. Die Morde allerdings wolle er nicht mitbekommen haben. Auch sei er, bevor die Deportation der Juden begonnen habe, versetzt worden. Nach diesem Bericht setzten sich Richter und Anwälte zusammen. Danach wurde der Prozesstag beendet. Ob es zu einer Verurteilung kommt, ist ungewiss.

Text: Luca Bölte
Foto: Dr. M. Bachmann

eingetragen von: O. Marke

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