Rückblick: Studienfahrt nach Auschwitz

Schülergruppe des Georgs in Polen

Im Herbst 2018 stellten Lehrkräfte des St.-Georg-Gymnasiums das Projekt bzw. die Idee einer Studienfahrt nach Auschwitz vor. Bereits nach den Herbstferien begannen 22 Schüler und Schülerinnen sich auf die Fahrt in das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager vorzubereiten.

In Bocholt führte sie der ehemalige Lehrer und im Arbeitskreis Synagogenlandschaft der VHS Bocholt Aktive Hermann Oechtering durch Bocholt und zeigte ihnen die für die Bocholter jüdischen Opfer des Nationalsozialismus verlegten Stolpersteine. Zu den Vorbereitungen gehörte auch der Besuch der Villa ten Hompel in Münster. Dort durften die Schüler mehr über den Zweiten Weltkrieg und die Konzentrationslager erfahren.

Als letzte Vorbereitung stand dann noch die eigene Recherche im Stadtarchiv zu den Lebenswegen ausgewählter jüdischer Bocholter auf dem Programm. Dieser biografiegeschichtliche Ansatz ist von der Idee getragen, den Opfern ein Gesicht zu geben und das Menschheitsverbrechen am Beispiel von Individuen zu erforschen.

Am 23. April machten sich dann 22 Schüler, 4 Lehrkräfte und ein Student auf den Weg nach Auschwitz. Auf dem Weg konnte die Gruppe bereits Teile des Stammlagers Auschwitz sehen. Nach der Ankunft im Hotel ging es für die Gruppe in eine Synagoge, wo sie mehr über die jüdische Geschichte der Stadt erfahren durften. Danach wurden sie noch durch die Stadt geführt, ehe sie dann Freizeit bekamen und zurück zum Hotel fuhren.

Am nächsten Tag stand der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz auf dem Programm. Wir alle kennen die Geschichte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und den massenhaften Deportationen und der darauffolgenden Vergasungen von Menschen, die nicht in das Weltbild des Regimes passten. Doch die Erfahrung am authentischen Geschichtsort es ist etwas anderes als darüber zu lesen, davon zu hören oder Filme bzw. Dokumentationen darüber zu sehen. Denn wer dort, in einem der Vernichtungslager, war, weiß: allein das Begehen eines solchen Ortes ist ein Erlebnis ganz eigener Art. Es verändert einen mehr als man vielleicht denkt.
Vor Ort wurde die Gruppe von einer polnischen Mitarbeiterin der Gedenkstätte durch das Stammlager geführt. Mithilfe ihrer Erklärungen besichtigten die Schülerinnen und Schüler die alten Baracken, Ausstellungen - und auch die Krematorien. Gegen Nachmittag bekamen sie dann die Gelegenheit das Konzentrationslager in Eigenregie zu besichtigen.

Nach dem Besuch stand für jeden Mitreisenden fest: Die schrecklichen Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus, für die Auschwitz das extremste Beispiel war, das zugleich universelles Symbol geworden ist, darf nie in Vergessenheit geraten. Alle waren schockiert, entsetzt oder auch wütend. Am Abend bekam jeder Mitreisende die Möglichkeit die persönlichen Gedanken zu verarbeiten und den anderen näher zu bringen. Danach wurde noch der nächste Tag geplant.

Der kommende Tag war für jeden Mitreisenden nochmals schockierender, denn alle spürten die Schmerzen - körperliche und seelische -, die in diesen Ort gleichsam eingeschrieben sind. Ein dumpfes Gefühl machte sich breit und während des restlichen Besuches in der riesigen Anlage wich es nicht mehr. Viele spürten eine Beklemmung, obwohl man in alle Richtungen mindestens 300 Meter weit sehen konnte. Das Gefühl der Enge entstand durch den Druck, den die räumliche Umgebung, in der es primär um Unterdrückung, Elend und Tod gegangen war, gespeichert hat.
Vor Ort spürt man, dass man umgeben ist von dem Leid vieler Menschen. Jeder einzelne geriet in Fassungslosigkeit, denn beim Anblick der Baracken wurde erfahrbar, was es heißt, wenn dort 800 Menschen unter den unwürdigsten Bedingungen leben müssen. Im Frauenlager wurden Mütter von ihren Kindern getrennt – kaum vorstellbar, wie verzweifelt sie gewesen sein müssen.

Manche der Aufseherinnen banden den gerade gebärenden Frauen die Beine zusammen - ein Beispiel für die Grausamkeit, die sich dem Verstehen entzieht. Auch im Lager der Männer dachten sich die Kapos und Aufseher alles Mögliche aus, um den Inhaftierten das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Schließlich stand ein Besuch in einem Kloster auf dem Programm. Dort zeigte ein Mönch der Gruppe alte Bilder eines KZ-Häftlings. Am Abend nahmen wir dann in Trauer Abschied von diesem Ort.
Am nächsten Morgen ging es nach Krakau. Auf der Busfahrt holte mancher Schlaf nach. In den beiden Nächten zuvor hatten Einige noch lange wachgelegen und die Erlebnisse reflektiert. Kaum im Hotel in Krakau angekommen, verließ die Schülergruppe ihre Zimmer und folgte den Guides in die Stadt, wo erneut eine Synagoge besucht wurde. Doch im Gegensatz zu der anderen war diese zu einem Museum umgebaut worden.

Die darauffolgende Freizeit gestalteten die Schülerinnen und Schüler eigenständig. Manche liefen durch das jüdische Viertel, andere suchten einen Eisladen und wieder andere gingen in ein riesiges Einkaufszentrum. Am Abend kehrten alle in einem koscheren Restaurant ein. Dazu gab es Livemusik nach jüdischer Tradition.
Und auch der nächste Tag verlief nicht ereignislos. Nach einem langen Anstieg wurden alle auf der Spitze eines Berges mit einem ehemaligen Schloss mit einer riesigen Kapelle belohnt. Nach dem Schloss stand die Altstadt auf dem Programm.

Nach diesem Besuch ging es auch schon wieder in das Hotel, wo die Koffer ein letztes Mal gepackt wurden. Während der Busfahrt waren alle Reisenden in Gedanken und ließen sich die Erlebnisse noch einmal durch den Kopf gehen. Was alle verband, war die Erschütterung angesichts des unvorstellbaren Leids, das sich in Auschwitz abgespielt hat.

Text: Luca Bölte
Foto: S. Melis

eingetragen von: O. Marke

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