Als der Beat ins Westmünsterland kam....
Lesung am Original-Tatort - 28. Jan 2010 im Musiksaal des St. Georgs
vom 18.01.2010Mit „Ringo Nr.7 macht beinahe Karriere“ hat der gebürtige Bocholter Lutz Beyering einen Roman vorgelegt, der die 60er Jahre im westlichen Münsterland schildert – lebendig, anschaulich, authentisch, humorvoll. Die Presse schreibt: „Ein wundervoller Roman voller Witz und Melancholie. Beyering schürt Wehmut bei allen, die die Zeit bewusst erlebten und nimmt die Jüngeren mit in einen aufregenden Zeitabschnitt.“ Das Buch steht mittlerweile in vielen Bocholter Bücherschränken. Jetzt liest Beyering selbst an einem Original-Schauplatz und freut sich mächtig: „Ich bin richtig aufgeregt, im Musiksaal lesen zu dürfen, denn das war ein wichtiger Ort für mich damals.“
Der Roman ist mehr als die wunderschön erzählte Geschichte des kleinen Richard, der sich im Kreis Borken durch seine Pubertät kämpft und es später als halbwüchsiges Mitglied einer Beatband unter dem Spitznamen „Ringo“ zu gefühltem Weltruhm bringt – immerhin stellt ihm die Bundespost eine Ansichtskarte zu, die nur an „Ringo, 429 Bocholt“ adressiert ist...
Wenn die Post schon weiß, wer in Bocholt „Ringo“ ist, dann hat man doch den Gipfel des Ruhms erklommen...?
Viele Skurrilitäten und Paradoxien sind in dem vorliegenden Roman beschrieben, vielen scheinbar „normalen“ Vorgängen hat Beyering witzige und humorvolle Seiten abgewonnen.
So zum Beispiel auch die Szene, in der „Ringo“ einen anderen Westmünsterländer als Band-Schlagzeuger überflügelt: einen gewissen Udo Lindenberg aus Gronau.
Der Roman greift die Spannungsfelder der damaligen Zeit auf:
Die Nachkriegswehen zwischen den Deutschen und den Holländern, die Verhaltens- und Charakter-Unterschiede zwischen den Niederrheinern und Westfalen, die Verwerfungen zwischen Muff und Aufbruch, Alt und Jung....
Aus allen Schilderungen aber spricht seine Liebe zu seiner Heimat, dem Westmünsterland:
"Die Menschen hier sind nicht so mitteilungsfreudig. Und das wird leider oft von den Medien der glattgebügelten Yuppie- und Handy-Generation negativ ausgelegt. Wer nicht mit Fremden reden will, ist gleich verdächtig, Dreck am Stecken zu haben. Ich finde es schön, dass es nach wie vor regionale, ja sogar kommunale Eigenarten gibt, die man hinter den Waldsäumen am Horizont in der Parklandschaft des Münsterlandes gut verstecken kann“, so der Autor, der seit vielen Jahren im – dem Westfalen natürlich fremden - Rheinland, in der Nähe von Düsseldorf, lebt.
Viele "Dönkes" hat Beyering selbst erlebt, nur wenige hat er "ausgeschmückt". Lehrer und Geistliche sind mit Klarnamen erkenntlich, andere Namen sind leicht verändert. Es mag sich also der eine oder andere sogar in dem Roman wiederentdecken.
Alle Zeitzeugen aber finden unterhaltsame Stories mit großem Erinnerungswert vor. Und die Jüngeren und Zugereisten können sich an gut erzählter Unterhaltung mit dem Anspruch historisch getreuen "großen Kinos“ erfreuen.
Donnerstag, 28. Januar 2010, 19.30 im Musiksaal des St. Georg-Gymnasiums
Dauer: ca. 2 Stunden, Eintritt frei
Kategorien: Vorlesung
eingetragen von: Robert Wang
