Abiturientia 2020

... mehr als der Corona-Jahrgang!

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, sehr geehrte Eltern,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, Sie und Euch persönlich und im Namen der Schule begrüßen zu dürfen. Und wenn ich sage, dass ich mich darüber freue, dann ist das in diesem Jahr ganz besonders so, weil bis vor ungefähr zwei Wochen noch nicht klar war, ob wir überhaupt in einem solchen Rahmen zusammenkommen können, um das Ende Eurer Schulzeit und Euer Abitur zusammen mit Euren Eltern begehen zu können. So wie Vieles in der letzten Zeit ungewiss war und auf sehr kurzfristigen Entscheidungen beruhte. Als hättet Ihr es geahnt, als Ihr Euer Abimotto festgelegt habt: Abikini: Knapp aber passt schon. (…)
Trotz allen Umfangs, den die Corona-Pandemie zurzeit einnimmt, möchte ich sehr deutlich sagen, dass Ihr viel mehr seid als der „Corona-Jahrgang“. Ihr seid der Abiturjahrgang 2020, Ihr seid kreativ und leistungsstark, aber auch streitbar gewesen und habt Euch auch das eine oder andere Mal in die Zukunftsfragen der Gesellschaft eingemischt. Gerade Letzteres bitte ich Euch zu bewahren oder gar noch weiterzuentwickeln. Im vergangenen Jahr hat der frühere US-Präsident Ba-rack Obama bei einem Besuch in Deutschland die jungen Menschen aufgerufen, sich in der Welt zu engagieren und sich einzumischen. Die Jugend sei aufgefor-dert, die Welt zu verändern, und "Ihr könnt die Welt verändern", sagte Obama in Berlin. Und: "Ihr würdet Eure Großeltern nicht entscheiden lassen, welche Musik Ihr hören oder welche Sachen Ihr anziehen sollt. Warum sollten sie entscheiden, in welcher Welt Ihr leben werdet.“
Im Umfeld unseres Georgs haben im Laufe der vergangenen Jahre viele von Euch unterschiedlichstes Engagement gezeigt und dafür möchte ich heute Danke sagen. Danke für die vielen Aktivitäten, die über den Unterricht hinaus immer wieder neu entfaltet wurden und die unseren Schülerinnen und Schülern, aber auch der Schule insgesamt zugutegekommen sind. Ich danke insbesondere für die aktive Mitarbeit in den freiwilligen, meist zeitaufwändigen Ehrenämtern der Schule, aber auch für Engagement und Kreativität in den besonderen Projekten der SV, der Streitschlichter, der Medienscouts, des Sports, des Musicals und des Ganztags allgemein. Ich danke schließlich für den Geist der Wertschätzung und Solidarität und der Verbundenheit zum Georgs, den Ihr als Abiturientinnen und Abiturienten während Eurer Schullaufbahn gepflegt habt und der auch über den Jahrgang hinaus wirksam war.
An der Schwelle zum Weggehen muss Zeit sein zum Rückblick, aber auch zur Vorschau. Was ist uns im Schulalltag gemeinsam gelungen? Aus welchen Fehlern können wir lernen? Was haben wir am Georgs für Euch in all den Jahren un-ternommen außer dem Versuch, Euch das Wissen zu vermitteln, was Euch hof-fentlich gut auf die nun vergangenen Abiturprüfungen vorbereitet hat? Wir haben Euch Wege gezeigt, oft miteinander gesprochen, auch etwas verlangt, Euch als Persönlichkeiten angenommen und Verständnis gezeigt, vielleicht nicht jedes Mal, aber oft, selbst wenn es auch für uns nicht immer einfach war. (…) Ich habe dazu einen sehr passenden Ausspruch von Nikos Kazantzakis gefunden „Der ideale Lehrer bietet sich seinen Schülern als Brücke an und lädt sie ein, über diese Brücke zu gehen. Wenn er ihnen so den Flussübergang ermöglicht hat, reißt er die Brücke ab und ermutigt sie, eigene Brücken zu bauen.“
Auf dem Weg zum Abitur habt Ihr viele Brücken überquert und gleichzeitig viele Freiheiten erworben. Nicht immer konnte alles gelingen. Die Ursachen sind viel-fältig. Bewertet Eure Schwächen nicht zu hart, sondern gebt ihnen die gebührende Aufmerksamkeit und verwandelt sie in Stärken. Denn wenn Ihr jetzt einen neuen Lebensabschnitt beginnt, Studium, Ausbildung, Beruf, vielleicht Familie, müsst Ihr lernen, wie man mit Fehlern umgehen muss. Akzeptieren, nicht aufgeben, weitermachen, an sich selbst glauben, aber auch für andere Verständnis zeigen und Kompromisse eingehen.
Zum Schluss auch noch an Sie bzw. uns als Eltern einige Gedanken. Es gehört zu den Aufgaben junger Menschen, das Nest zu verlassen und ihre Grenzen auszu-loten. Und es ist Aufgabe der Erwachsenen, ihnen dabei genügend Freiraum zu geben, gleichzeitig Grenzen zu setzen und die richtige Balance zwischen Be-schützen und Loslassen zu finden. Wir werden den jungen Menschen leichter mit Verständnis begegnen, wenn wir uns erinnern, wie wir in ihrem Alter waren.(…) Die Fehler der anderen mit Nachsicht zu beurteilen, lernten wir erst, nachdem wir oft genug über unsere eigenen gestolpert waren. Wir sollten daher nie vergessen, wie auch wir selber einmal zwischen Leichtsinn und Schwermut geschwankt haben.
Noch glauben zu viele von uns Eltern, selbst vor die Berufswahl gestellt zu sein, wenn ihre Söhne und Töchter über Berufliches laut nachdenken. Bedenken Sie: Das Wertvollste, was Kinder auf ihrem Weg in ein reiches Berufsleben mitneh-men, ist die innere Gewissheit, dass aus ihnen „Etwas“ werden wird. Unsere Aufgabe besteht darin zu erkennen und zu vermitteln, dass innere Erfüllung, die wir uns für unsere Kinder wünschen, letztlich nur möglich ist, wenn sie als solche auch von unseren Kindern empfunden wird, nicht notwendigerweise von uns.
Noch ein Nachwort. Wir Eltern und Ihr Abiturientinnen und Abiturienten haben etwas gemeinsam: Das Ende und der Anfang eines neuen Lebensabschnitts.
Dazu ein Auszug aus einem Gedicht von Kurt Tucholsky:

„Aus“
Ihr wart unsere Kinder.
Nun entsteht ein neuer Mensch.
Ihr geht eurem kleinen Schicksal zu:
Leben ist Wandlung.
Jedes Ich sucht ein Du.
Jeder sucht seine Zukunft.
Und geht nun mit stockendem Fuß
Vorwärtsgerissen vom Willen,
vielleicht mit einem kleinen Gruß
In ein anderes Land.

Oder frei nach Obama: Geht, Ihr könnt die Welt verändern!
Herzlichen Glückwunsch, liebe Abiturientia 2020!


Text: Hilke Smidt
Foto: G. Grunden


eingetragen von: G. Grunden

Das schwarze Brett

Für Schüler

learn:line NRW

Studienfach eingeben:
Erweiterte Suche
Landtag NRW

kostenloser Newsletter