Alles nur ein Spiel! – Georgs Musical mit Zuschauerrekord!
Da bleiben dem Zuschauer tatsächlich die Worte weg. Kann man eine Theater- oder Musicalkritik schreiben, ohne Namen zu nennen? Es sind so viele, die an diesem Abend das Publikum begeistern – wie lange müsste man schreiben, um jedem Einzelnen in diesem Spiel gerecht zu werden?
Und vielleicht ist genau das der Schlüssel zu diesem Abend: Alles ist nur ein Spiel. Die Welt als Schauspiel – das kommt einem beim Zuschauen erstaunlich oft so vor. Catch Me If You Can ist ein ganz großartiges Erlebnis. Großartig, weil die Georgs Musical-AG hier nicht nur eine überaus unterhaltsame Geschichte mit schwungvollen Liedern erzählt, sondern weil sich auf der Bühne etwas zeigt, das weit darüber hinausgeht: der Geist der Gemeinsamkeit, die Kraft der Kooperation und die Wirkung eines kreativen Wollens. Wer dafür empfänglich ist, wird von dieser Aufführung begeistert.
Schon der Weg in das Theater ist Teil der Inszenierung. Der Eingang wird zur Flughafensituation, inklusive Körperkontrolle. Eine professionelle Akustik mit Durchsagen, startenden Flugzeugen und Hubschraubergeräuschen lässt keinen Zweifel: Man ist bereits mitten im Geschehen, noch bevor sich der Vorhang hebt. Theo Meinen hat mit seinem Technik-Team hier ganz hervorragende Arbeit geleistet. Regisseurin Gesina Grunden macht in ihrer Begrüßung deutlich, was hinter diesem Abend steckt: Monate langer Vorbereitung, intensive Auseinandersetzung mit der Textvorlage und die fachkundige Einstudierung der Gesangsstücke durch Jessica Bücker. Der Applaus zeigte, wie groß der Respekt ist. Jetzt ist das Ergebnis vorzeigbar – und wie. Die Leistungen der rund 80 Darstellerinnen und Darsteller sind überaus bemerkenswert, zumal alles neben dem Schulalltag geschieht. Rechnet man alle Beteiligten zusammen, wird das Ausmaß dieses Projekts sichtbar: mehr als 100 Mitwirkende – anders gesagt: Jede und jeder Achte der Schule macht mit!
Die Organisation überzeugt auf ganzer Linie. Szenenwechsel erfolgen professionell und ohne Wartezeiten für das Publikum. Bildgewaltige Momente entstehen durch bis zu 60 m² große Bühnenbilder und ausgefeilte Lichttechnik, die starke Situationen schaffen und das Spiel eindrucksvoll unterstützen. Die Choreografien sind flott, präzise abgestimmt und durchgehend unterhaltsam.
Besonders hervorzuheben sind Requisite und Kostüme. Mit großer Sorgfalt entstehen wirkungsvolle, teils uniforme Einkleidungen, die eine Freude für den Sehsinn sind: Piloten, Mäuse, Kakerlaken und Krankenschwestern aus Frank Abagnales „Jetset“ treten in überzeugender Choreografie auf. Für große Heiterkeit sorgen Uhu-Flasche, Schere und Tusche – sinnbildliche Figuren für die Möglichkeit der Verfälschung von Dokumenten, dem Hauptgeschäft des Protagonisten, den Lotte Grave und Lieselotte Schönefeld im Wechsel der Aufführungen professionell und leidenschaftlich verkörpern.
Im Zentrum steht die wahre Geschichte dieses charismatischen Betrügers, der in den 1960er Jahren mit klassischen Tricks überzeugt: als Pilot, Arzt und Anwalt – ausgestattet mit allem, was diese Rollen glaubwürdig erscheinen lässt, sogar mit einem „Magnetzifferndekoder“, der ihm bei seiner „Arbeit“ als Scheckfälscher hilft. Er nutzt die Gutgläubigkeit, die Vorurteilsbeladenheit und nicht zuletzt die Raffgier seiner Mitmenschen geschickt aus, um an Geld zu kommen. Ihm immer dicht auf den Fersen ist Kommissar Carl Hanratty, cool und mitreißend gespielt von Tom Demming bzw. Erik Held.
Die Komik, als Arzt kein Blut sehen zu können, steht Franks Erfolg zunächst nicht im Wege, entlarvt aber zugleich die Absurdität oberflächlicher Scheinbarkeit im menschlichen Dasein. Autorität und äußere Zeichen genügen, um Vertrauen zu erzeugen. Bestechung und Charme ebnen ihm als Mediziner zusätzlich den Weg, insbesondere bei Frauen: „Ich mach alles, was der Arzt verordnet.“
Frank kennt die Bedeutung der „anderen Haut“, in die er schlüpft, von Kindesbeinen an. Denn: „Der Nadelstreif ist das, was zählt.“ Das Kleider-machen-Leute-Motiv besitzt ganz offensichtlich Ewigkeitscharakter. Es ist eine Banalität, aber sie gilt nach wie vor: Menschen sehen gern das, was sie glauben, nicht das, was wirklich ist. Eigentlich erstaunlich, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.
Der Satz „Ein Mann wie du kann sich kaufen, was er will“ verweist auf einen offenbar ebenso zeitlosen männlichen Glauben an die Verfügbarkeit von Frauen. Bei aller Leichtigkeit berührt das Musical damit auch gesellschaftlich relevante Fragen. Der Zuschauer ertappt sich dabei, dass hinter der Komik der Darstellung Phänomene sichtbar werden, die bis heute nicht überwunden sind.
Und nicht zuletzt bleibt ein weiterer Gedanke auf dem Heimweg haften: Lässt sich der Satz „Ein Sieg ist nichts wert, wenn man alle Regeln bricht“ auf die Wirklichkeit übertragen? Oder ist es nicht vielmehr so: Wer Anstand hat, hält sich an die Regeln – aber leider ist nicht jeder anständig.
Am Ende – und das ist wohl das größte Kompliment – sind die Zuschauerinnen und Zuschauer verblüfft: Drei Stunden vergehen im Flug. Man verlässt die Aula mit einem starken Gefühl der Verbundenheit – miteinander, mit der Schule, mit dem gemeinsam Erlebten. Dass vier nahezu ausverkaufte Vorstellungen mit etwa 1400 Zuschauern einen Rekordwert in der Geschichte des Georgs darstellen, überrascht nach diesem Abend kein bisschen.
Text: Dr. M. Bachmann
Fotos: F. Smidt





































