„Mitmischen“ – Politik hautnah erleben

Ende September 2025 hatte ich die einmalige Gelegenheit, an einer Reise in den Deutschen Bundestag teilzunehmen – gewonnen hatte ich die Fahrt durch ein Quiz im SoWi-Unterricht bei Frau Tenbreul. Teil des Programms war „Mitmischen“, die Jugendpolitik-Plattform des Bundestages, die Jugendlichen zeigen soll, wie Demokratie funktioniert und dass man auch als junger Mensch etwas bewegen kann.

Schon bei der Ankunft in Berlin merkte ich, dass die Stadt etwas Besonderes ist. Nach den offiziellen Programmpunkten nutzte ich die Abende für kleine Spaziergänge, sah das Brandenburger Tor im Dunkeln leuchten und ging mit anderen aus der Gruppe essen. Diese gemeinsamen Abende waren super, um die Erlebnisse des Tages zu reflektieren, über Politik zu diskutieren – und natürlich auch, um über die besten Currywürste Berlins zu lachen. Lustigerweise kam mir an einem Abend tatsächlich Armin Laschet am Brandenburger Tor entgegen, total entspannt und mit einer Zigarette im Mund – einfach auf einem E-Scooter. Solche Begegnungen machen Politik plötzlich richtig nahbar.

Im Bundestag begann alles mit einer Einführung durch Mitarbeiterinnen, die uns die Abläufe und Aufgaben des Hauses erklärten. Besonders spannend war das Gespräch mit Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb. Sie erzählte sehr offen von ihrem Alltag, von der Organisation und den Kompromissen, die nötig sind, damit Entscheidungen getroffen werden, und machte deutlich, wie wichtig es ist, dass junge Menschen sich einbringen.

Ein absolutes Highlight war für mich der Blick hinter die Kulissen. Ich durfte die Ebene der Fraktionssäle betreten – Bereiche, in die normalerweise niemand kommt. Es war faszinierend, die Politikerinnen und Politiker in ihrem „Arbeitsumfeld“ zu sehen, ihre Gespräche zu hören und zu spüren, wie viel hier wirklich entschieden wird. Auf den Fluren des Bundestags begegneten mir ständig bekannte Gesichter – manche Politiker gingen einfach an mir vorbei, als wäre es der normalste Tag der Welt.

Ich durfte auch bei einer Plenardebatte zum Haushalt 2026 zuschauen, bei der sogar Bundeskanzler Friedrich Merz anwesend war. Danach ging es auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes, von wo ich einen unglaublichen Blick über Berlin hatte. Ein kleines Abenteuer gab es noch am letzten Tag: Bei der Einlasskontrolle wäre ich fast nicht hineingekommen, weil ich eine Flasche original Berliner Currywurst-Sauce als Souvenir dabeihatte. Nach einigem Hin und Her durfte ich sie schließlich doch mitnehmen – über diese kleine Aufregung musste ich den ganzen Tag schmunzeln.

Abgeschlossen wurde die Reise mit Einblicken in den Petitionsausschuss und einen Vortrag über digitale Barrierefreiheit, der mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass Politik für alle zugänglich ist.

Diese vier Tage waren für mich unglaublich lehrreich und gleichzeitig spannend und lustig. Ich habe verstanden, dass Demokratie lebendig ist, dass Politik viel mehr ist als trockene Gesetze und dass Mitmischen bedeutet, sich einzubringen, Fragen zu stellen – und manchmal auch über verrückte Begegnungen im Bundestag zu lachen.

Text + Fotos: Lennart Pelzer