Politik hautnah: Frankreich in der Krise und die Folgen für Deutschland und Europa

Am 28.01.2026 fand in der Aula des St.-Georg-Gymnasiums ein Vortrag für die Jahrgangsstufen 10 bis 13 statt. Unter dem Titel „Frankreich in der Krise – Folgen für die deutsch-französischen Beziehungen und Europa“ sprach Professor Henri Ménudier über die aktuelle politische Lage Frankreichs und ordnete diese in einen europäischen und globalen Zusammenhang ein.

Ausgehend von der gegenwärtigen Weltlage thematisierte Professor Ménudier unter anderem die seit Jahresbeginn andauernden Streiks in Frankreich, etwa im Gesundheitswesen oder bei Landwirten. Die Streiks in Frankreich seien historisch tief im politischen Selbstverständnis Frankreichs verankert und Ausdruck eines konfrontativeren politischen Systems, das sich deutlich vom deutschen unterscheide.

Im weiteren Verlauf spannte Professor Ménudier einen historischen Bogen von den deutsch-französischen Konflikten bis hin zur engen Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Westbindung der Bundesrepublik und der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags 1963 sei das Fundament für die heutige Kooperation gelegt worden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die deutsch-französischen Beziehungen derzeit erneut unter Druck stehen – nicht zuletzt durch wirtschaftliche Probleme, politische Blockaden und unterschiedliche europapolitische Vorstellungen.

Ein Schwerpunkt lag auf der innenpolitischen Situation Frankreichs: Professor Ménudier erläuterte, dass seit 2024 das politische System in drei Lager gespalten sei, klare Mehrheiten fehlten und wichtige Reformen nicht umgesetzt werden könnten. Den Aufstieg rechter Parteien erklärte er als Ausdruck der großen Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

In der anschließenden Diskussion brachten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Fragen ein – unter anderem zur Rolle rechter Parteien in Europa, zur Zukunft der EU, zur Außenpolitik und zum Umgang Europas mit den USA. Professor Ménudier äußerte sich dabei besorgt über globale Entwicklungen wie den anhaltenden Krieg in der Ukraine, geopolitische Machtverschiebungen und den schwindenden Einfluss Europas. Zugleich betonte er, dass ein geschlossenes Auftreten der EU entscheidend sei, um politisch handlungsfähig zu bleiben.

Abschließend wies Professor Ménudier auf die Rolle der Jugend hin: Da viele Jugendliche, insbesondere in Frankreich, Informationen vor allem über Social Media beziehen, sei kritische Auseinandersetzung und Austausch besonders wichtig.

Der Vortrag bot den Schülerinnen und Schülern wertvolle Einblicke in aktuelle politische Zusammenhänge und machte deutlich, wie eng nationale, europäische und globale Entwicklungen miteinander verknüpft sind.

Der Vortrag wurde organisiert durch die DFG Bocholt in Zusammenarbeit mit Sonja Wießmeier von Europe Direct und finanziert von der DFG Bocholt und dem Deutsch-Französischen Bürgerfond.

Text + Foto: Carmen Tenbreul